Hilfe, Helfer! (2)

Man lernt ja nie aus. Da waren die Helfer, die super gut waren, die gerne länger geblieben wären, die, die ok waren, wo es dann aber auch gut war, als sie wieder weg waren und die, die entweder früher als geplant abgereist sind oder aber von mir weggeschickt wurden – ja, das behalte ich mir vor, denn hier das ist MEIN Leben, in das ich gerne Einblicke gebe und auch dankbar für die Hilfe bin – aber ich verdrehe weder mich, noch mein Leben, noch meinen Betriebsablauf.

Aber so etwas wie dieses Jahr im Frühling habe ich auch noch nicht erlebt. Ein neuer Helfer hatte sich angesagt. Ein Mann, Mitte 30, Büromensch, wollte mal was anderes machen als den typischen Pauschalurlaub. Sich mal wieder so richtig körperlich auspowern – kein Problem, kann er hier haben. Natürlich gibt’s da nicht gleich „Vollprogramm“ – „Kurzprogramm“ mit füttern, Wasser auffüllen und Stallgasse kehren reicht für „Frischlinge“ meistens aus, um abends beim Essen am Tisch einzuschlafen richtig ko zu sein. Draussen an der frischen Luft körperlich zu arbeiten ist eben eine ganz andere Nummer als am Schreibtisch zu sitzen und sonntags im Wald spazieren zu gehen 😉

Nun denn – Helfer kommt an, bezieht sein Zimmer, will gleich helfen. Wir haben uns eigentlich richtig gut verstanden – die meisten haben nach 1 oder 2 Tagen das Gefühl, dass sie’s schon voll drauf haben und das was ich sage nicht mehr brauchen. Das lässt sich im Normalfall relativ leicht und gut klären, wenn nicht, lässt man sie mal auflaufen, spätestens dann wissen sie, dass man meinen Job eben nicht in 1 1/2 Tagen lernen kann.

Gleiche Nummer diesmal, wenn auch nur in sehr schwach ausgeprägter Version – alles gut soweit. Zwei Wochen lange haben wir echt nett geplaudert, abends beim Essen war gute Stimmung, wir haben gelacht, nette Gespräche gehabt, gut zusammen gearbeitet. Er hat ein paarmal gesagt, dass es eine tolle Erfahrung für ihn ist mit der Arbeit hier und dem Landleben, dass er sich total wohl fühlt, auch wenn er sich ein Landleben für immer nicht vorstellen könnte.

Und dann komme ich vom Kunden zurück, sein Auto weg, ein Zettel auf dem Tisch: „Bin weg, hab mich nicht wohl gefühlt, Landwirtschaft ist das Letzte“. Ich hatte ziemlich viele Fragezeichen im Gesicht, das könnt ihr mir glauben. Bis heute habe ich keine Ahnung, was die Aktion sollte – mir geht’s nicht drum, dass jemand sich überschätzt, Landwirtschaft unterschätzt, merkt, das geht garnicht für mich, früher wieder „in die Zivilisation“ zurück möchte – aber einfach zu fahren und einen Zettel hinzulegen finde ich so schwach, dass ich keine Worte dafür finde.

 

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7 Antworten zu Hilfe, Helfer! (2)

  1. giftigeblonde schreibt:

    Seltsam,..und nein ich hätte auch nicht hinterhertelefoniert, was denn da plötzlich so anders als vorher erzählt war.

  2. frauhilde schreibt:

    Komisch.
    Da war wohl einer nicht fähig, ehrlich zu sich und zu dir zu sein und einfach zu sagen, sorry, ist nichts für mich, kann ich nicht.
    Was ja keine Schande gewesen wäre.

    • daslandei schreibt:

      Nein, das wäre definitiv keine Schande gewesen… aber an der feigen Nummer hat er sicherlich länger zu knabbern als ich – ich verbuche das unter „man lernt nie aus“ 😉

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