Gedanken zum Landeileben

Dass ich nun ein Landei bin, liegt nicht nur daran, dass ich hier aufs Land gezogen bin und einen landwirtschaftlichen Betrieb habe. Landei werden verändert.

Ich wohne hier im „Nichts“, zum einkaufen muss ich egal in welche Richtung mindestens 15 km fahren, dort bekomme ich dann alles, was ich für den Alltag brauche. Man lernt relativ schnell, dass Mehl, Zucker, Eier vergessen nicht das Mittel der Wahl ist. Früher konnte man mal eben noch schnell um die Ecke springen um das Vergessene zu holen – bei 15 km überlegt man sich das. Handyempfang hat man hier nur meistens und dann auch nur, wenn man das richtige Netz hat. DSL – Fehlanzeige – LTE funktioniert ganz gut, ist aber sehr wetterabhängig. Die Leute hier sind sehr nett, aber auch irgendwie speziell. Und nun wohne ich schon eine ganze Zeit hier und merke – ich werde auch speziell…

So merkwürdig es sich für die meisten anhört – ich bin am allerliebsten hier auf dem Hof und ehrlich gesagt am allerliebsten auch ohne viel andere Menschen. Auf das zweite Landei, das hier wohnt, möchte ich selbstredend nicht verzichten 😉 Aber mein Hof, meine Arbeit, meine Tiere – das alles reicht mir vollkommen aus, um zufrieden zu sein. Das Leben hier ist wesentlich entschleunigter, als sich die meisten von Euch vorstellen können – trotz der vielen Arbeit, die hier tagtäglich zu erledigen ist.

Vor nicht allzu langer Zeit habe ich einen Ausflug in die große Stadt gemacht. 2 Tage lang. Das war auch vollkommen in Ordnung, hat ohne Ende Spaß gemacht und ich habe es genossen – aber ich war unendlich froh, als ich wieder hier in meiner Pampa war. Zu laut, zu „schnell“, zu viele Menschen. Das ist kurzfristig für mich ok – längerfristig würde es mich wahnsinnig machen. Besuche auf Messen, Ausstellungen, Events? Sind zwar ab und zu mal notwendig und oft auch informativ und gut – stressen mich aber inzwischen um ein vielfaches mehr als früher…

Nein, man kann hier nicht abends einfach in die Kneipe gehen und noch ein Bier trinken. Aber man kann sich abends ohne Anmeldung beim Nachbarn auf ein Bier einladen – und muss damit rechnen, dass er nächste Woche auf ein Bier am Abend vor der Tür steht. Hier telefoniert man nicht lange und macht „Termine“ zum Kaffee trinken aus. Man fährt auf den Hof, schaut, ob jemand da ist und ob derjenige Zeit zum Kaffee trinken hat. Wenn nicht, fährt man einfach wieder und schaut ein andermal vorbei… Da musste ich mich erst wieder dran gewöhnen – aus Kindertagen kenne ich das, in meinem alten Leben war das schon nicht mehr so.

Das Landeileben hat mich verändert – aber ich liebe das Landeileben und möchte es nie wieder anders. Auch, wenn das oft auf Unverständnis trifft.

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5 Antworten zu Gedanken zum Landeileben

  1. meinesichtderwelt schreibt:

    Schön! Schöööööön! So würde ich auch gerne leben. Ich hoffe, das klappt irgendwann, je eher, desto besser. Liebe Grüße von einem Möchtegern-Landei, Doris

  2. frauhilde schreibt:

    Ich kann das echt verstehen!
    Komme auch vom Land und hab dann in [Hauptstadt der Kurpfalz] 16 Jahre lang gewohnt; ich nehme an, du kennst besagte Stadt.
    Wenn ich heute mal von Hildehausen da hinfahre, gruselt es mich immer ein bisschen. Zu groß, zu laut, zu dreckig. Es ist für ein paar Stunden ganz nett, aber ich würd da nie, nie wieder wohnen wollen!

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