Schattenseiten

Meine Arbeit auf dem Betrieb hat natürlich auch Schattenseiten. Dinge, die man nicht gerne macht, die aber gemacht werden müssen – sei es aus Vernunft oder aus rein wirtschaftlicher Erwägung. Die darf man nämlich niemals aus den Augen lassen, auch wenn man einen gewissen Spielraum hat und auch braucht.

Ein solcher Schattentag war letzte Woche. Ich arbeite mit Tieren, Leben und Tod gehört für mich zum alltäglichen Geschäft. Man härtet mit der Zeit in einem gewissen Maß ab, das ist ok und das muss man. Wenn ein altes Tier stirbt, ist das sicherlich einfacher, als wenn einem neu geborenes Tier in den Armen stirbt – obwohl es auch da meist schon absehbar war und das Tier keine Chance gehabt hätte.

Ich esse gerne Fleisch, am liebsten von meinen eigenen Tieren – ich weiß, wie sie gelebt und was sie gefressen haben. Das beinhaltet auch, dass ich Tiere schlachten muss. Ich mache das nicht selber, ich bringe die Tiere zum Metzger. Sie haben keinen langen Transport, sie haben nicht mehr Stress als nötig und stehen dort nicht noch tagelang in irgendwelchen Schlachtboxen rum. Für mich ist das in Ordung, es gehört zu meinem Job dazu und ich bin froh, dass ich auf diese Art und Weise „ordentliches“ Fleisch auf dem Teller habe.

Aber letzte Woche wurden 25 Tiere abgeholt. Die Stammherde, mit der ich angefangen habe. Damals war schon klar, dass ich diese Herde nicht auf Dauer behalten kann.

Die Tiere, mit denen ich hier alles aufgebaut habe, von denen ich verdammt viel gelernt habe, die sehr sehr geduldig mit mir waren… nun mussten sie gehen. Ich wusste das schon sehr lange, den Termin habe ich schon vor einem halben Jahr gemacht. Aber das macht es nicht leichter, wenn der Tag X auf einmal da ist.

Zum Glück war es ein sehr sonniger Tag und nachdem der LKW weg war, bin ich mit meinem Hund eine Runde durch den Wald spaziert. An einem solchen Tag ist an „Normalität“ nicht zu denken.

Mir blieb nichts, als ihnen den Gang auf den LKW so leicht wie möglich zu machen, sie selber hinaufzubringen und jedem Tier nochmal über den Kopf zu streicheln. Ich war bei ihnen, bis der LKW gefahren ist. Das war ich ihnen schuldig.

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2 Antworten zu Schattenseiten

  1. frauhilde schreibt:

    Ach, Mensch, das tut mir leid. Also, ich weiß nicht, wie ich das anders formulieren soll. Hm … nee, ich krieg’s nicht hin. Lass dich mal drücken.

  2. handvolldackel schreibt:

    Ich krieg’s auch nicht hin.

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