Die Faszination der Geburt

In meinem Job habe ich oft mit Geburten zu tun. Geburten sind für mich immer wieder aufs Neue faszinierend. Natürlich bekommt man mit der Zeit eine gewisse Routine – aber der Augenblick, wenn so ein kleines zerbrechliches Wesen das Licht der Welt erblickt, ist immer wieder einzigartig.

Während der Geburt geben sich selbst sonst eher scheue Tiere sehr vertrauensvoll in die Hand der vertrauten Personen. In den allermeisten Fällen bringen die Tiere ihren Nachwuchs alleine zur Welt. Bekomme ich mit, dass die Geburt beginnt, bleibe ich in der Nähe, lasse das Tier aber erstmal in Ruhe. Ist die Geburt dann schon weiter fortgeschritten und die Füßchen schauen schon raus, dann greife ich unterstützend ein und arbeiten mit den Wehen vom Tier. An den Füßchen kann ich auch sofort sehen, ob das Lamm richtig liegt. Liegt es richtig rum – sprich, Vorderfüße und der Kopf kommen zuerst, greife ich nur unterstützend ein, um es dem Muttertier etwas leichter zu machen. Liegt es falsch rum – sprich, die Hinterfüße kommen zuerst – muss ich anders eingreifen um zu verhindern, dass das Lamm Fruchtwasser schluckt oder gar einatmet. Was anderes ist es, wenn ich merke, dass „irgendwas“ nicht stimmt. Wenn man schon viele Geburten erlebt hat, dann weiß man ziemlich schnell, ob das, was man da vorfindet „normal“ ist oder nicht. Das Verhalten des Muttertieres, die Dauer „ohne dass sich etwas“ tut und eine ziemliche Portion Bauchgefühl – man liegt selten daneben. Da muss man dann auch durchaus mal richtig zupacken – unglaublich, was so ein Körper aushält.

So auch heute. Völlig außerplanmäßig ist heute ein Lamm zur Welt gekommen. Das Muttertier ist noch sehr jung – man kann leider nicht immer alles planen und es gibt Dinge, die immer früher funktionieren als man denkt 😉 Das Kleine ist ein bißchen zu früh geboren, durch die nicht allzu lange Tragezeit von ca. 150 Tagen, merkt man jeden Tag, den ein Lamm zu früh kommt. Trotz aller Mühen hat die Mutter das Lamm nicht angenommen. Das hat man leider ab und zu mal, vor allem bei so jungen Muttertieren. Nun liegt das Kleine hier neben mir in einem Korb unter dem Rotlicht und wird alle 3 Stunden mit ein paar ml Milch gefüttert. Ich weiß noch nicht, ob das Lamm es schafft – manchmal weiß man ziemlich schnell, dass sie es nicht schaffen – trotzdem versucht man alles was geht. Dieses Tierchen hier ist zwar noch ein bißchen unterentwickelt, hat die Augen noch geschlossen und schafft es noch nicht aufzustehen – aber es ist ein kleiner Kämpfer. Es trinkt, es ist ziemlich sauer, weil das mit dem Aufstehen nicht klappt und es ist laut – das ist gut für die Lunge. Alles andere werden die nächsten Tage zeigen.

Update 07.12.13: Das Kleine ist fit – die Augen sind offen, es brauchte schon einen größeren Karton, weil es mir in der Küche entgegenkam, es schlabbert fleißig Milch, jetzt schon 150 ml pro Mahlzeit und es probiert die ersten Hüpfer aus 😀

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6 Antworten zu Die Faszination der Geburt

  1. frauhilde schreibt:

    Als typischer „Stadtmensch“ (auch, wenn ich keiner bin, weil auch vom Dorf, allerdings nicht mit Nutztieren aufgewachsen) war mein erster Gedanke natürlich „aw, hoffentlich schafft’s das kleine Lämmchen!“
    Der zweite und dritte Gedanke war das auch noch.
    Hm. Wenn ich so drüber nachdenke, gibt es eigentlich kein „Aber“. Ich hoffe wirklich, dass es durchkommt.
    (Ich hatte heute lange Schule, dies als Entschuldigung für diesen äußerst wirren Kommentar, der auch bei mehrfachem Lesen nicht intelligenter wird …)

    • daslandei schreibt:

      Das hoffe ich als Landei auch bei jedem einzelnen. Idealfall ist ja: Lamm kommt auf die Welt, alles gut, quietschfiel, nach einer halben Stunde steht es auf und ab geht die Post. Bei allem, was kein Idealfall ist hoffe ich das auch immer aus vollem Herzen. Aber ich darf natürlich nicht wegen jedem, was es nicht schafft, in tiefe Trauer verfallen – dann kommen die anderen zu kurz und das geht auch nicht. Traurig ist man darüber aber immer. Wenn man das nicht mehr ist, sollte man schleunigst mit der Arbeit mit Tieren aufhören.

      • frauhilde schreibt:

        Ich glaube, das, was du geschrieben hast, war in etwa das, was ich eigentlich ausdrücken wollte.
        Ich fand nur nicht die richtigen Worte.

  2. Bine schreibt:

    Wir drücken viele Pfoten und zwei Daumen für das Kleine!

  3. daslandei schreibt:

    Das Kleine ist erstaunlich fit! Die Augen öffnen sich langsam, es steht auf und ist sogar schon über den Körbchenrand drüber geklettert 🙂

  4. handvolldackel schreibt:

    Wir drücken ebenfalls alle Daumen, dass das kleine Lämmchen bald losrennen kann! Ich war vor vielen Jahren mal bei einer Idealfall-Lammgeburt dabei, das war faszinierend und ging ratzfatz in wenigen Minuten.

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