Frauenquote

Hier auf dem Dorf versammelt man sich. Ständig quasi – was soll man hier auch viel anderes machen. Hier ist ja nichts 😉

Aus den meisten Versammlungen halte ich mich raus, da es sich um die mehr oder weniger öffentlichen Versammlungen der ortsansässigen Vereine  (schön getrennt nach Männchen und Weibchen – ernsthaft!) handelt. Was ich sehr spannend finde, eigentlich könnte man ja einen Termin im Jahr suchen und an diesem alle Versammlungen für die Vereine abhalten – aber dann weiß man ja nicht so recht, was man die nächsten 364 Tage anfangen soll. Ausserdem käme man dann mit dieser Männer/Frauensache in Konflikt. Also viele Versammlungen.

Zu zwei dieser Veranstaltungen gehe ich dann aber doch hin. Zum einen, weil die Versammlungen nichts mit den Vereinen, sondern mit dem Ort und meinem Job zu tun haben – zum anderen weil man „sich ja mal blicken lassen muss“. Das ist hier halt so und ich breche mir in diesem Fall nun echt keinen ab. Zumal es immer was zu Essen und zu trinken gibt, die Versammlung an sich meist relativ schnell erledigt ist und man dann einfach noch ein bißchen in gemütlicher Runde zusammen sitzt. Ein bißchen wie Stammtisch, wo ich ja aber wieder nicht hingehen würde 😉 Es ist einfach gut mit dem Bauern von rechts und links des Flusses ein paar Worte zu wechseln, oft macht es auch Sinn, einfach nur genau zuzuhören, was sie so erzählen. Sie kennen sich untereinander, sie kennen die Gegend hier wie ihre Westentasche. Sie wissen, wo jemand aufhört, wo evtl. Land frei wird, wer welche neuen Maschinen hat, wer gestorben ist und wer heiratet. Dinge, die ich so einfach nicht mitbekomme, die aber auf dem Dorf wichtig sind zu wissen.

Klar bekomme ich nur immer einen kleinen Ausschnitt mit, aber der reicht dann erstmal, um übers Jahr zu kommen 😉

Das Interessante an diesen Versammlungen: Ich bin die Frauenquote. Seit einigen Jahren gehe ich zu diesen Versammlungen und habe dort noch nie eine der anderen Frauen getroffen. Mir macht das nichts aus, im Gegenteil, ich habe immer gerne und konstruktiv mit Männern zusammengearbeitet – aber ich muss dann doch immer wieder grinsen, das Dorfgefüge bestätigt sich jedes Mal wieder. Und auch bestätigt sich wieder mein Gefühl: die wollen das hier gar nicht anders. Ohne groß drüber nachzudenken sind hier alle mit ihren Rollenverteilungen doch sehr zufrieden. Ich habe nicht das Gefühl, dass die Männer etwas gegen Frauen in ihrer Versammlung haben – ich fühle mich jedes Mal sehr nett aufgenommen und führe Gespräche auf Augenhöhe. Ob es daran liegt, dass ich hier einen Betrieb führe (was ich ja nicht alleine mache) oder daran, dass ich einfach da bin und mich um solche „Konventionen“ nicht schere? Keine Ahnung.

In dem Fall bin ich gerne die Frauenquote – und soll demnächst auch ein Amt übernehmen, was mir widerum zeigt, dass ich als „Gleichberechtigte“ willkommen bin. Und dieses Amt werde ich gerne und mit Freude annehmen.

 

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8 Antworten zu Frauenquote

  1. giftigeblonde schreibt:

    Ich bin dir Frauenquote…das gefällt mir 🙂
    Ansonsten so ist das am Land.
    Hier zb gehen nur die Männer am Sonntag Morgen nach der Kirche zum Stammtisch, wahrscheinlich kochen die Fauen daheim dann das Mittagessen.

    Wobei ich ganz froh bin dass mein Mann absolut kein Vereinsmeier ist, und auch an keinem örtlichen Stammtisch teilnimmt, Neuigkeiten erfahren wir eh so auch.
    Liebe Grüße Sina

  2. psychoberta schreibt:

    Ist das nicht ein Widerspruch? Auf der einen Seite sagst, sie wollen es so, auf der anderen Seite freuen sie sich, dass du da bist? Verstehe mich nicht falsch. Ich finds gut. Erst recht, wenn sie nett zu dir sind. Aber genau das wundert mich ein bißchen. Wie wichtig Vereinsleben ist, habe ich hier auch schon fest gestellt. Unglaublich.

    • daslandei schreibt:

      Da hab ich auch drüber nachgedacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass es in dem Fall kein Widerspruch ist. Ich glaube, dass das hier kein „aktives“ Thema ist. Das war schon immer so und es wird nicht in Frage gestellt. Für die Frauen hier ist das „Männersache“ und für die Männer ist glaub ich nur wichtig, dass ihre Frau nicht dabei ist 😉

  3. handvolldackel schreibt:

    Ich finde das auch faszinierend. Vor allem: Warum funktioniert die Geschlechtertrennung quasi automatisch? Das klappt übrigens auch in der Großstadt. Ohne zu lange auszuholen, ich habe ein paar Jahre nur mit Männern zusammen gearbeitet, wenn wir dann abends essen gegangen sind – ich und der Gemahl und der Kollege und seine Freundin – war ich sofort in der Frauenecke und musste Konversation über Kindererziehung machen, wovon ich keine Ahnung habe.
    Eine Freundin hat es mal noch schlimmer erwischt – der hat ein Mann, mit dem sie Monate lang in leitender Position zusammen gearbeitet hat, dann gesagt, er brächte zur Projektabschlussparty seine Frau mit, dann habe sie auch jemanden, mit dem sie sich unterhalten kann.

    • daslandei schreibt:

      Oh, das sind aber irgendwie auch zwei krasse Beispiele… Und von Frauenecken haben ich mich immer ganz schnell gelöst – meist ist das ja doch eher gruselig 😉

      Ob Geschlechtertrennung automatisch funktioniert? Ich weiß es nicht, die Erfahrung hab ich bis jetzt nicht gemacht – oder nicht drauf geachtet.

  4. frauhilde schreibt:

    Jetzt will ich seit Tagen kommentieren und vergesse es ein ums andre Mal. Sorry. Ts …

    Ich find das auch ein Phänomen, diese Geschlechtertrennung auf dem Land. Das gibt’s da, wo ich herkomme, auch. Und die Frauen organisieren sich dann eher im Landfrauenverein und bleiben unter sich.

    • daslandei schreibt:

      Ja, genau so ist es. Ich habe das Gefühl, dass dieser ganze Geschlechtertrennungsgeschichte hier von den Frauen ausgeht – manchmal begegnen einem hier Ansichten (von Frauen!!!), wo ich dann mal eben schnell in den Kalender schaue und überlege, ob wir wirklich schon 2014 haben.

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