Vom Abitur

Die Frau Hilde ruft zum Blogevent. Ich hab dann mal in meinem Gedächtnis gekramt (was ich da alles gefunden habe, wollt ihr gar nicht wissen 😉 ) und mir fiel folgende Geschichte (passend zum Abi der Chaoten) ein.

Das Landei und das mündliche Abitur

Damals (also anno 1816 quasi) stand für das Landei das mündliche Abitur an. Bei uns war das noch anders, nix so mit G 8 1/2 und so einem Quatsch. Wir hatten bis zu den Osterferien Unterricht, danach dann frei bis zu den schriftlichen Abiprüfungen und dann kam das mündliche Abitur. Ich wusste meine Noten aus dem schriftlichen Teil schon und es ging „nur“ noch ums antreten und die Stelle hinterm Komma (bei mir, das war nicht bei allen Mitstreitern so).

Mündliches Prüfungsfach war Gemeinschaftskunde (heißt das heute noch so? Es beinhaltete auf jeden Fall Geschichte, Sozialkunde und Erdkunde), ich konnte mir den Schwerpunkt fürs Abi aber aussuchen. Meine Wahl fiel auf Erdkunde.

So kam dann der Tag der Prüfung, wir waren auch immer in 3er Gruppen dran, 20 min Prüfungsvorbereitung und dann los zur Prüfung.

„Analphabetismus der Weltbevölkerung“ war mein Thema. Na toll. Mit mündlichen Prüfungen habe ich es eh nicht so (und das, obwohl reden normalerweise zu meinen leichtesten Übungen gehört). Ich betrete also den Raum und da sitzen ungefähr trölfzig Leute. Prüfungskommision, Referendare und selbst der Herr Direktor hat es sich nicht nehmen lassen bei allen (!) Prüfungen anwesend zu sein. Uff. Nun saß die Prüfungskommision mit dem Rücken zum Fenster, was für mich hieß, dass ich die ganze Zeit in die Sonne schauen musste. Zu allem Überfluss habe ich mir auch noch beim Betreten des Raumes oder beim Hinsetzen oder whatever auf das Brillenglas gefasst. Mein Ausblick war also geblendet von der Sonne und verschmiert durch nervöses-auf-die-Brille-tatschen. Tolle Voraussetzungen 🙄

Die Prüfung begann also und ich verhaspelte mich immer mehr und immer mehr – bis gar nichts mehr ging. Es saß nur noch ein Häuflein Elend am Tisch und versuchte, die 20 min (die einem dann natürlich wie STUNDEN vorkommen) hinter sich zu bringen.

Die Lehrer konnten nichts dafür, die haben sich alle ganz dolle Mühe gegeben, mir irgendwie wieder auf’s Pferd zu helfen – aber bei dem Versuch stellte einer der Mitprüfer dann auch noch die Frage: „Ok, noch mal ganz tief durchatmen und zurück auf Anfang. Wieviel % der Weltbevölkerung sind denn nach der Schätzung Analphabeten?“ – Gut gemeint, aber ich habe in dem Moment nur noch „rechnen, zahlen, Mathe, ahhhhhhhhhhhhhhh“ im Kopf gehabt und damit war die Prüfung dann ganz gelaufen.

Für kümmerliche 6 Punkte hat es gereicht. Was mir aber vollkommen egal war, ich wollte nur noch da raus – und meine Brille putzen.

 

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Vom Abitur

  1. Tinalise schreibt:

    Uiui, also noch jemand mit einem Trauma vom mündlichen Abi, wie schön, ich bin nicht alleine. 😀
    Das heißt übrigens tatsächlich noch Gemeinschaftskunde (zumindest in RLP) und ich muss sagen: Schriftlich war Erdkunde ganz angenehm. Mathe mündlich, da kann ich dem Landei nachfühlen: “Alles ***egal, nur noch raus hier.” Bei mir waren’s übrigens die kümmerlichsten 5 Punkte ever. Aber hey, bestanden ist gut, und gut ist sehr gut, oder so… 😉

  2. jukefrosch schreibt:

    Ich hab Abi in Ba-Wü gemacht, da hieß es auch Gemeinschaftskunde. Aber darin wurde ich nicht geprüft, das wäre eine sehr schlechte Idee gewesen.

    Mündliches Abi-Trauma hab ich aber auch. Aus verschiedenen Gründen bin ich in Mathe ins mündliche Abi gegangen, da war es nämlich egal, welche Note ich kriegte, meine Endnote war in Stein gemeißelt.

    Wir mussten erstmal ein, zwei Aufgaben vorbereiten und die dann später den Prüfern (drei Stück) an der Tafel präsentieren. Ich war beim Vorbereiten voll happy, weil ich dachte, cih hätte das total kapiert (ich bin eine Mathe-Nullpe), aber beim Vortragen stellte sich raus, dass ich völlig auf dem falschen Dampfer war und ich bin an der Tafel in Tränen ausgebrochen.

    Mein Mathelehrer war ein Original, der viel Verständnis für die Mathe-Nichtkönner hatte und er kitzelte noch ein bisschen Wissen aus mir raus.

    Es hat für grandiose 2 Notenpunkte gereicht.

    Aber wie gesagt, da war es dann auch egal. Das Abi war fix und nach meiner mündlichen Mathenote hat nie wieder jemand gefragt.

  3. Corinna schreibt:

    Ich melde mich ebenfalls im Kreis der Traumatisierten. Bei mir war es es Mathe im Mündlichen und die Alternative wäre nur Physik gewesen… ich hab’s irgendwie überlebt, aber weiß bis heute nicht genau wie.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s